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Kolumne: Von Kleidern als T-Shirts und Geschlechterdiskussionen auf Restaurant Toiletten.

Neulich war ich einem Restaurant und als ich mir auf der Toilette die Hände wusch stand ein anderer Junge neben mir, der mir ein Kompliment zu meinem T-Shirt machte und fragte woher dieses sei. (Zur Abwechslung mal keine Frage ob ich auf der falschen Toilette bin – ich glaube wir machen Fortschritte!) Als ich ihm erklärte, dass es eigentlich gar kein Shirt, sondern ursprünglich ein Kleid meiner Mutter war, das aber so oversized geschnitten war, dass ich es problemlos als Shirt tragen konnte, wurde mir ein Gesicht zurückgeworfen, das aussah als hätte man einem Kind erzählt, es würde den Weihnachtsmann nicht geben. (doch keine Fortschritte)
Nicht nur, dass er ziemlich verdutzt und irritiert wirkte, es hatte auch den Anschein als wäre es für ihn absolut undenkbar, dass man als Mann etwas in einer Damenabteilung finden könnte und man am Ende nicht unbedingt aussehen muss, wie eine Dragqueen – das liess in mir mal wieder die Frage aufkommen, wieso es bei Kleidung eigentlich so unglaublich wichtig ist, was drauf steht? Natürlich gibt es Teile, die an Frauen besser aussehen, als an Männern, aber gerade bei so etwas wie einem oversized Shirt/Kleid oder etwas noch banalerem wie Skinny Jeans müsste es doch eigentlich total egal sein, für wen das Stück ursprünglich mal entworfen wurde – wenn es passt und wir uns gut darin fühlen, sollte doch die Abteilung nicht entscheiden für wen es ist?
Wobei ich hierbei auch immer wieder einen gewissen Doppelstandard in der heutigen Gesellschaft feststellen darf, denn für Mädchen ist es ja auch total normal geworden sich an den Schränken ihrer Freunde zu bedienen und die Industrie reagiert darauf und benennt Jeans für Frauen ‚Boyfriend‘ – Jeans. Was an sich total Ok ist, mir aber trotzdem nicht erklärt wieso es dann so schlimm ist, wenn ich meine Jeans in der Damenabteilung kaufe.
Denken wir mal einen Schritt weiter – ich persönlich arbeite mit Mode und es gehört zu meinem Job Outfits zu präsentieren, wenn ich zu einer Agentur gehe und mir beispielsweise ein paar Hosen aussuchen soll, kam es schon oft vor, dass mir nur erlaubt wurde aus den Herrenteilen zu wählen, denn das sollte strikt getrennt bleiben.
Wenn man sich Unisex Kollektionen gängiger Labels anguckt, sind das oft auch nur weisse Tshirts und gerade geschnittene Hosen und nicht wirklich ein Look, der für jemanden, der sich nach mehr sehnt, als das was die Herrenabtelung anbietet, eine geeignete Alternative wäre.
Wenn es also so unglaublich ungewöhnlich ist, dass man Abteilungs-übergreifend einkauft, frage ich mich, wieso das für mich schon immer total natürlich war? Ich bin auch nicht in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Gender Stereotypen und Geschlechterrollen zur Abendkonversation zählten, aber ich habe intuitiv zu Sachen gegriffen, die sich nach mir anfühlten und wieso soll ich mir von einem Etikett auf dem Für Herren oder Für Damen steht, einreden lassen, wer ich bin oder eben nicht bin?
Ich war schon immer unglaublich modeinteressiert ist und wer sich mit 14 die Runway Looks grosser Labels anguckt und vor Begeisterung auf den Display seines Blackberrys (ja sowas hatte man damals, wenn man Gossip Girl Fan war) sabbert, dann hat man nur zwei Optionen – entweder man kauft sich die Originale, was für einen 14 Jährigen nahezu unmöglich zu finanzieren ist oder man versucht den Look ähnlich und günstig nachzustellen. Während Damenabteilungen von grossen Marken, wie H&M, Zara oder ähnlich Erschwingliches für Teenager, in den Damenkollektionen schon Trends adaptieren, die gerade erst auf den Laufstegen gezeigt wurden, sucht man sich als Junge in den Herrenabteilungen die Finger wund und auch Vintage Shops geben in dem Fall nur bedingt etwas her, also fängt man ganz natürlich an, sich in die Teile aus der Damenkollektion zu verlieben. Und wie diese letztendlich aussehen, liegt ja wohl am Träger selber, denn damals wie heute kleide ich mich nach dem Grundsatz “Kleidung hat kein Geschlecht – eine Hose ist eine Hose und ein Kleid, ein Kleid – der Träger oder die Trägerin entscheidet letztendlich, ob es ein Teil für Männer oder für Frauen ist“ und gerade in der Zeit, in der wir leben, sollte sich keiner mehr von so einem kleinen Stückchen Papier auf dem Mann oder Frau steht abhalten lassen, das zu tragen, was sich richtig anfühlt.
Jacke – Marcel Ostertag
Jeans – Bench
Schuhe – Vagabond
Kleid – Topshop
Tasche – Aigner (Tonda Bag)
Sonnenbrille – Ray Ban
Halskette – Moschino
Haare – Goerner&Company, La Biosthétique Salon Berlin

Fotos: Felix Grimm (Homepage / Instagram)



4 Antworten zu “Kolumne: Von Kleidern als T-Shirts und Geschlechterdiskussionen auf Restaurant Toiletten.”

  1. Vanessa sagt:

    Ich finde du hast es so gut getroffen. Wenn wir Mädchen in die ,,Jungsabteilung“ gehen ist es voll normal und keiner guckt komisch, aber sobald ein Junge in die ,,Frauenabteilung“ geht dann gucken alle als wenn grade die Queen persönlich vor ihnen steht und ein Döner ist. Ich meine was ist denn so schlimm daran. Wir Mädchen können uns sogar von der Unterhose bis zu den Haaren anziehen bzw. stylen wie ein Junge, aber ihr dürft noch nicht einmal ein T-shirt tragen und wenn denn werdet ihr sofort als Schwul betitelt. Ich finde das ist ein großer Fehler und ein großer Vorurteil der Unbedingt vernichtet werden muss.
    Super Blogeintrag👍🏼✨

  2. Anne sagt:

    Eine absolut tolle Kolumne ♥
    Du hast absolut recht, es ist schon immer irgendwie komisch mit dieser Doppelmoral… Frauen dürfen sich Klamotten vom Freund mopsen und bei Männern wird dann direkt komisch und manchmal auch total verabscheuend geguckt. Wie du eben sagst, der Träger/die Trägerin entscheidet, wie etwas an ihm/ihr aussieht und es ist doch absolut wurst, wo das herkommt 😉

    Liebe Grüße
    Anne

  3. Farina sagt:

    Wie immer großartige Worte von dir Riccardo! Ich hatte mal in der 8. Klasse eine Phase in der ich nur Skinny Jeans mit Shirts aus der Männerabteilung getragen habe und das fanden einige auch echt komisch. Ein Überbleibsel aus dieser Zeit ist ein Männerpullover den ich als Kleid trage und wenn ich jetzt dazu eine Frage bekomme, hat keiner mehr einen verwirrten Blick. Anders herum kann ich mir aber bei eben diesen Leuten gut vorstellen bei einem Jungen ein Fragezeichen im Gesicht zu tragen, wenn er sagt er hätte in der „anderen“ Abteilung geshoppt. Ich verstehe das einfach überhaupt nicht, wieso sollte es bei der einen okay sein und bei dem anderen nicht. Leben und leben lassen, meine Freunde!

    Liebst,
    Farina

  4. Bert Bums sagt:

    Was sind Restaurant Toiletten?

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