logo

Kolumne: Coming Out in Deutschland – zwischen Homophobie und Gleichgültigkeit.

Dass es keine Homophobie in Deutschland gibt halte ich für ein genau solches Gerücht, wie damals als es hiess Lady Gaga hätte einen Penis – die Leute wollen es glauben, weil ihnen die Vorstellung gefällt. Unzählige Posts auf diesem Blog und die Geschichten ganz vieler anderer Menschen, die nicht einmal homosexuell sind, erzählen aber leider von einer anderen Wahrheit.
Als ich neulich einen Fan traf, der mir fast schon unter Tränen erzählte, dass ihn die Worte, die ich schreibe, dazu inspiriert hätten sich bei seiner Familie zu outen und mir von seiner schwierigen Lebenssituation berichtete, empfand ich es als unglaubliches Kompliment Menschen auf diese Art und Weise zu inspirieren, verdeutlichte mir aber auch mal wieder, wie wichtig es ist für das individuelle Glück, sich nicht verstecken zu müssen, auch wenn der Weg nicht unbedingt immer einfach ist. Gerade in Zeiten, wo auf unsere politischen Führer oder Medienpersonen oft kein Verlass mehr ist, ist es besonders wichtig so ein Thema ernst zu nehmen und öffentlich darüber zu sprechen.
Diese Begegnung und die täglichen Nachrichten, die ich auf Social Media erhalte, haben mich dazu bewegt einen kleinen Teil dazu beizutragen, der allen anderen zeigen soll, dass so etwas, wie ein Coming Out oder das Akzeptieren der eigenen sexuellen Orientierung oft mit einem inneren Konflikt verbunden sein mag – der durch die äusseren Umstände nicht wirklich unterstützt wird – aber dass wenn man sich mal bewusst ist, wer man ist, ein Leben auf einen wartet, das es wert ist gelebt zu werden und dass man egal was kommt, auf jeden Fall Menschen finden wird, die nicht mit Ablehnung oder Ignoranz auf die eigene Geschichte reagieren werden, sondern selber Erfahrungen mit sich bringen, die anderen Menschen Mut machen werden.Genau aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen nach diesen Geschichten zu suchen und meine Snapchat Follower zu fragen, ob sie ihre Geschichte mit uns teilen wollen um Menschen Mut zu machen und zu zeigen, dass ein Weg, der am Anfang schwierig erscheint, oft zu einem glücklicheren und befreiten Leben führen kann – aber auch um zu zeigen, dass der Kampf gegen Homophobie nach wie vor von Bedeutung sein sollte.

Daniel, 27
Meine Geschichte ist ziemlich gut verlaufen. Zum Einstieg: ICH BIN SCHWUL UND STOLZ DARAUF….Mittlerweile. Wie alle jungen Menschen hatte auch ich meine Selbstfindungsphase. Gemerkt, dass ich anders bin, wie alle anderen habe ich mit 14. Die Sportstunden und vor allem die Zeiten in der Umkleidekabine waren die „Hölle“. Ich hatte aber das Glück immer gute Freunde in meinen Leben zu haben und vor allem meine beste Freundin, die ich mit 16 kennenlernen durfte und mit der ich mittlerweile seit fünf Jahren zusammen wohne hat mich zu mir selbst geführt. Ich möchte die schlechten Dinge am Outing (die es gab) gern ausblenden, denn hast du es einmal hinter dir bist du…..einfach glücklich. Und wollen wir das nicht alle?

Hassan, 24
Kurz zu mir, ich wohne im Süden von Stuttgart und bin mittlerweile 24 Jahre alt, habe eine Ausbildung abgeschlossen und bin im letzten Semester von meinem Studium. Ich bin ein Kind von einer typischen Gastarbeiterfamilie, Papa aus China, Mama aus der Türkei, beide haben viel gearbeitet um uns ein besseres und einfaches Leben zu ermöglichen. Es ist nicht einfach schwul und gleichzeitig als Moslem aufzuwachsen. Als ich mich bei meiner älteren Schwester geoutet habe wollte mich ihr Mann, der aus Kurdistan kommt, schlagen. Er hat es nicht gemacht, er hat mir damit gedroht und ich sei für ihn an diesem Tage gestorben, er hat mir sehr schlimme Wörter und Sätze an den Kopf geworfen, meine Schwester meinte nur, es ist ok, ich liebe dich trotzdem so wie du bist, änder dich für niemanden. Ihr Mann meinte aber noch zu mir, dass er an meiner Männlichkeit zweifelt und er wollte mit mir zum Puff um mich männlicher zu machen, ich meinte nur zu ihm „Ich werde jeden Tag für dich beten, dass Gott dich hoffentlich nicht so hart verurteilt wie du mich!“ und bin nach Hause gelaufen.Ich habe mich letztes Jahr bei meiner Mutter geoutet, weil sie gemerkt hat, dasss mit mir etwas nicht stimmt. Tatsächlich ging es mir nicht wirklich gut, denn ich habe in 3 Tagen 4 Kilo abgenommen. Es war einfach der Stress, dieser Druck und mein Freund hat per Whats App mit mir Schluss gemacht um dann das Bett mit jemand anderem zu teilen. Sie meinte beim Outing nur, bitte beherrsche dich noch so lange du hier bist, denn jeder kennt deinen Vater, wenn du mit deinem Studium fertig bist, hau ab von hier und fang ein neues Leben an. Mein Vater weiss bis Heute nichts und das wird noch so lange bleiben, bis ich wirklich alleine und unabhängig auf meinen eigenen Beinen stehe. Mittlerweile bin ich im Umzugsstress und werde in einer neuen Stadt ein neues Leben anfangen ganz ohne Familie. Ich hatte nie ein Problem damit, Moslem und schwul zu sein, ich kann für mich beides ohne Problemem kombinieren, doch sind es die Muslime immer gewesen die mich von meinem Glauben abtreiben wollten, jedoch sind meine Wurzeln und mein Wille viel stärker als diese Leute.Was ich Euch allen als Tipp geben kann für Euer Outing ist, es gibt kein Erfolgsrezept, ihr könnt eure Eltern nicht daran gewöhnen! Seid immer ehrlich zu euch selbst! Geht diesen Weg lieber alleine als euch auf irgendwelche Leute zu verlassen, denn auch diese werden irgendwann gehen, wenn es ihnen nicht passt (siehe mein Ex) und am Ende werdet ihr doppelt stolz auf euch sein, da ihr diesen Weg ganz alleine gegangen seid! Das bedeutet aber nicht, dass ihr euch von allen trennen sollt, sucht euch Freunde die euch so lieben wie ihr seid und euch motivieren, ich kann von mir behaupten, dass ich die besten Freunde habe was das angeht! Sie haben mir nie das Gefühl gegeben alleine zu sein und das wünsche ich euch auch! 🙂

Juli
Ich hatte damals mit 14 nicht geplant mich zu outen aber habs eines Abends aus heiterem Himmel meiner besten Freundin gesagt. Die hats super aufgenommen und durch das positive Feedback gestärkt hatte ich den Mut es gleich am nächsten Tag zwei anderen Freundinnen zu sagen. Weil nie jemand ein Problem damit hatte hab ich dann angefangen es vielen zu erzählen und hab mich endlich getraut mit Ja zu antworten, wenn mich jemand gefragt hat ob ich schwul bin und auf einmal war es mir völlig egal, wenn Typen mich als Schwuchtel beschimpft haben, was mich vorher immer hart getroffen hat. Natürlich ist es so, dass manche Jungs in der Schule mir gegenüber skeptisch waren, aber die hören damit ganz schnell auf, wenn man selbstsicher Auftritt und man einfach man selbst ist, weil ich glaube, dass viele großen Respekt davor haben und dann schnell ihre Meinung ändern. Zu vielen Freundinnen habe ich heute ein viel besseres Verhältnis als früher und Männer haben auch fast nie ein Problem damit, wenn sie merken, wie ich mit meiner Homosexualität umgehe. Ich kann nicht genau sagen woran es liegt, aber ich glaube durch wenn man sich nicht verstellt und selbstsicher Auftritt, trauen sich viele gar nicht irgendetwas zu sagen.
Ich kann wirklich jedem raten: sucht euch jemanden aus eurem Freundeskreis, bei dem ihr euch sicher seit, dass derjenige euch nicht verurteilt und euch darin bestärkt sich auch bei anderen zu outen, weil das so unfassbar viel Kraft und Mut gibt. Und spätestens sobald man die Schule hinter sich hat und das tun kann was man liebt, wird man akzeptiert, weil sich die Ausstrahlung ändert und die Menschen in deinem Umfeld merken, wenn man mit sich selbst im Reinen ist.Ich bin mittlerweile seit 3,5 Jahren mit meinem Freund zusammen, obwohl ich noch nicht mal 19 bin arbeite als Flugbegleiter bei der Lufthansa und liebe es unglaublich und ich bin mir sicher, dass einiges anders gelaufen wäre, wenn ich mich nicht geoutet hätte oder nicht schwul wäre. Ich sag jedem immer, dass schwul zu sein das beste ist was mir passieren konnte, weil die negativen Erfahrungen von der Bereicherung und Lebensqualität, welche ich dadurch gewonnen habe wie weggespült sind. Schwul oder lesbisch zu sein ist etwas gutes und wenn man sich das in harten Moment sagt und selbst davon überzeugt ist, kann einen nichts aufhalten!
Caro, 19
Ich bin Caroline, 19 und Pansexuell. Vor knapp 5 Jahren wurde mir das erste mal klar das ich nicht nur das andere Geschlecht mag.Dort wusste ich das erste Mal das ich auch das selbe Geschlecht anziehend fand. Damals dachte ich noch ich wäre Bi doch seit 2016 weiß ich es sicherer, wenn man das so ausdrücken kann. Pansexuell bedeutet das es nicht der Hauptpunkt wie sich ein Mensch identifiziert. Mann, Frau, genderfluid, Non-Binary. Das spielt keine Rolle. Der Mensch ist wichtig. Ich bin selber genderfluid. Mal fühle ich mich als Mann, mal als Frau, mal als beides und mal als gar kein Geschlecht und das obwohl ich biologisch eine Frau bin. Sei immer du selbst! Egal was andere dir sagen was du sein sollst. Ich passe zwar nicht in die Gender-Norm, aber dafür weiß ich wer ich bin.Ich hatte schon einen Freund und eine Freundin. Als ich mit meiner Ex-Freundin zusammenkam und es meiner Mutter erzählte hatte ich Glück denn sie reagierte ganz normal darauf. Ich muss zugeben, es war neu für mich aber trotzdem wollte ich es. Ich wollte nur sie. Ich dachte ich wäre vielleicht doch nur auf Frauen aus, nur weil ich zu der Zeit mit einer zusammen war. Die Beziehung war eine Fernbeziehung und hatte außergewöhnlich lange funktioniert. Wir sind beide auf Homophobie gestoßen. Es macht einen fertig weil man das Gefühl hat nicht akzeptiert zu werden. Das man Abschaum sei oder einfach nur der letzte Dreck. Selbst ihre Eltern hatten große Probleme damit, dass ihre Tochter mit einem Mädchen zusammen war. Ich hatte oft das Gefühl, dass ihre Mutter mich einfach nicht ausstehen konnte. Aber nach ca. 1 Jahr fing sie an es zu akzeptieren und das zeigt, dass einige Menschen einfach ihre Zeit brauchen. Nach einer Weile fing ich auch an homophobe Kommentare zu ignorieren. Es ist zwar nicht leicht aber es hilft. Meine Freunde hatten auch kein Problem damit. Sie akzeptieren mich auch heute noch so, wie ich bin. Wenn man Menschen hat die einen so akzeptieren, wie man ist und dich unterstützen, dann zählt die Homophobie nicht mehr. Man blendet es aus und konzentriert sich auf die Menschen die dich supporten und lieben.Mittlerweile habe ich einen Freund. Jeder akzeptiert es, denn Mann und Frau wird ja bekanntlich als das „normale“ abgestempelt. Doch jede Liebe ist normal und dennoch einzigartig.

Lara (20)
Ich selber bin nicht lesbisch, aber meine Mama ist seit über 20 Jahren mit einer Frau zusammen. In der Schule habe ich mir oft dummes Gerede deswegen anhören müssen. Da ich damit aufgewachsen bin, ist es für mich ganz normal zwei Mütter zu haben, da sich mein Vater sich sowieso nie für mich interessiert hat. In der Pubertät war es mir dann schon peinlich auf eine Art, weil ich gemerkt habe, dass das nicht so normal scheint. Jedenfalls wenn ich es heute meinen Freunden erzähle ist die erste Reaktion ob ich auch auf Frauen stehe. Das ist ziemlich nervig. Es gibt dann auch einige, die sich von mir abwenden, nicht mit mir zusammen auf Klo gehen wollen oder sich nicht vor mir umziehen, weil ich es ja auch ‚im Blut‘ haben könnte..
Meine Mama selber bezeichnet sich nicht als ‚lesbisch‘ sondern als eine Frau die eine Frau liebt. Ich finde mit den Worten ‚lesbisch‘ & ’schwul‘ grenzt man sich auf eine Art selber aus, weil es doch was normales ist & wieso müssen diese Menschen besonders betitelt werden mit ‚lesbisch‘ oder ’schwul‘ ?! Genauso mit dem coming out… wenn Homosexualität was normales ist, wieso muss man sich outen? Menschen, die auf das andere Geschlecht stehen outen sich doch auch nicht. Ich bin da etwas zwiegespalten.. man sollte einfach man selber sein. 

Laura,20
Mit 16 hab ich auf Tumblr ein Mädchen kennengelernt. Wir haben immer ganz lange und viel geschrieben und uns auf anhieb gut verstanden. Sie ist aus England und sie war zu dem Zeitpunkt auch in einer Beziehung. Ich war so sehr in sie verliebt, sie war so wunderschön und hatte einen so großartigen Charakter. Sie war einfach unglaublich. Nicht lage nachdem wir angefangen hatten zu schreiben hat sie mir erzählt sie hätte mit ihrer Freundin Schluss gemacht und da wusste ich sofort es ist Schicksal! Ich hab ihr erzählt wie ich für sie empfinde, ich hab nie erwartet dass sie das gleiche fühlt, aber ich musste es ihr einfach sagen, ich musste ihr erzählen wie sehr ich sie liebe. Zu meinem überraschen hat sie das gleiche gefühlt wie ich. Ich war überwältigt! Ich musste sofort jedem Erzählen, wie toll sie ist. Da gab es nur ein Problem, niemand wusste dass ich lesbisch bin. Ich konnte es keinem sagen, ich hatte zu viel Angst, ich wusste wie meine Eltern zu dem Thema stehen und es war nicht gut. Ich bin aus Bad Reichenhall und so bald ich 18 war hab ich geplant sie in England zu besuchen, über Weihnachten 2015 war ich endlich bei ihr, ich war 19 zu dem Zeitpunkt und wir waren seit 4 Monaten zusammen. Es wusste immer noch keiner von meiner Familie … mein kleines Geheimniss. Nach ein paar Tagen in England haben wir uns dazu entschlossen es auf Facebook offiziell zu machen. Das war so gesehen mein coming out, ich hab mich besser gefühlt es über das Internet zu machen, ich war nicht zu Hause und wusste niemand würde anrufen um dumme Fragen zu stellen. Nach zwei Wochen musste ich wieder nach Hause und ich hatte riesen Angst, Angst meine Eltern würden mich zuhause raus werfen, wie es bei einer anderen lesbischen Freundin von mir der Fall war oder sogar schlimmeres. Als ich am Flughafen ankam und ich meine Eltern sah, war alles so wie vorher. Sie wussten nun mein Geheimnis, dass ich seit 19 Jahren niemandem anvertraut hatte, aber sie waren die selben Eltern die ich zwei Wochen zuvor verlassen hatte. All meine Ängste und Sorgen waren um sonst, alles war cool. Jetzt bin ich 20, ich wohne zusammen mit meiner Freundin Leah (um die es ging) in einer kleinen Stadt in England, wir reden viel über Hochzeit und Baby Namen. Es ist alles so, wie in meinen schönsten Träumen. Ich hatte so viele Jahre so viel Angst und Stress und Depressionen, weil ich dachte es wird mich niemand akzeptieren, und jetzt steht jeder, den ich kenne hintermir. Es ist unglaublich.
Phil, 45
Ich bin ein 45 jähriger Schwuler in Berlin und seit ich 18 bin lebe ich völlig geoutet. Ich bin in einer sehr traditionellen Kleinstadt aufgewachsen und war in meiner Schule und Stadtweit in meinem Alter einer von wenigen schwulen die offen lebten. Es war natürlich sehr riskant und bei meiner Familie nicht sehr gut angenommen worden. Es war trotzdem eine Erleichterung und immer wieder nervenaufreibend da ich im Studium wieder in Kleinstädten und im konservativen Italien lebte.Teilweise habe ich dann wieder bei bestimmten Gruppen als hetero ausgegeben. Inzwischen habe ich meine eigene Baufirma und mache sowieso was ich will. Heute bin ich immer out und selbst meine russischen Bauarbeiter oder türkischen Nachbarn wissen immer sofort das ich auf Männer stehe. Nicht jeder findet es besonders gut aber ich habe nie Situationen wo es gefährlich wird. Ich muss dazu sagen dass ich stark und sehr männlich aussehe und sich sicher daher wahrscheinlich niemand trauen würde es sich mit mir aufzunehmen, aber trotzdem ist es wichtig der Mensch zu sein, der man auch wirklich ist.

Tom
Meine Geschichte enthält ein bisschen von allem und lässt sich nicht unbedingt auf einen Aspekt beziehen. Ich bin Tom, in einem Dorf namens Rhauderfehn, das mitten in Ostfriesland liegt, aufgewachsen und war dadurch, dass ich dunkelhäutig bin (mein Vater, zu dem ich keinen Kontakt habe, stammt aus Gambia und meine Mutter, bei der ich auch aufgewachsen bin, ist Deutsche) schon immer anders. Dieses Anderssein bringt mir von der Grundschule bis heute Beleidigungen wie Neger oder sonstige Schimpfwörter, durch die ich auf meine Herkunft reduziert werde. Neben der Tatsache, dass ich schwarz bin, ist es allerdings auch so, dass ich prinzipiell ein unkonventioneller, androgyner Junge bin, der diese Eigenschaften sehr wertschätzt. Doch früher war das anders. Relativ früh habe ich erkannt, dass ich schwul bin. Mit 12, glaube ich, hatte ich in meiner Schulklasse mein Outing als bisexuell, weil die Aussage bi zu sein für mich einfacher war, als direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Diese Information ging dann bei uns im Schulzentrum viral und plötzlich hat mich jeder darauf angesprochen, welche Sexualität ich habe und obwohl ich damals noch große Angst davor hatte, vollkommen ich selbst zu sein und deshalb viele Dinge, die nicht in die männliche Geschlechterrolle gepasst haben, nicht gemacht habe, war meine Sexualität in Kombination mit meinem leicht femininen Auftreten für viele ein Dorn im Auge. Daraus entwickelte sich das Gerücht, ich sei transgender. Und auch dieses verbreitete sich wie ein Waldfeuer. Ich hatte nie Probleme mit Transsexualität und der ganzen alternativen Thematik. Es ist bloß ein Scheißgefühl, in eine Schublade gequetscht zu werden, in die man nicht hineingehört. Mit der Zeit legten sich die Gerüchte wieder und auch wenn ich täglich blöde Sprüche oder Blicke erdulden muss, weil Anderssein für viele etwas Negatives ist, stehe ich da heutzutage drüber. Mein bester Freund, der auch schwul ist, ist eine super Möglichkeit, um Erfahrungen auszutauschen und sich weniger alleine zu fühlen, da jemand da ist, der versteht was man durchmacht. Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn und meinen restlichen Freundeskreis, der immer hinter mir steht, machen würde. Wenn ich Lust habe Kleidung aus der Frauenabteilung zu tragen, mache ich das. Und wenn ich mich schminken will, was früher undenkbar gewesen wäre, dann mache ich das auch.Egal wer, egal wo – jeder, der homosexuell ist muss seine Sexualität hinterfragen, hat Angst davor ihr zu begegnen und fürchtet um die Meinung seines Umfelds – auch in Deutschland. Von dem Privileg einfach als Selbstverständlichkeit zu gelten ist man nach wie vor entfernt, dass das nicht unbedingt etwas Tragisches sein muss, sondern auch eine Menge Freude mit sich bringen kann, haben euch diese inspirierenden Menschen hoffentlich bewiesen. Ich habe tausende von Nachrichten zu diesem Thema erhalten und ich fand es total interessant zu sehen, wie unterschiedlich viele Erfahrungen verliefen. Bei den einen gab es noch nie eine homophobe Bemerkung, bei den anderen ist das ganze Leben davon gezeichnet. Aus vielen der Geschichten konnte man auch herauslesen, dass die Menschen, die generell anders sind – nicht nur auf ihre Sexualität bezogen – es immer am schwierigsten hatten, was zum einen schon noch mit Homophobie zusammenhängt – nach dem Motto “Schwul sein ist ja ok, aber schwul aussehen bitte nicht“ – zum anderen aber auch zeigt, wie schwierig es ist in der heutigen genormten Gesellschaft Fuss zu fassen, wenn man sich nicht wirklich einordnen kann. Mein Ziel ist es den Menschen näher zu bringen, dass anders sein in irgendeiner Form nicht immer gleich als Schwäche gesehen werden soll, sondern erstmal als etwas wundervolles an sich erkannt werden kann. Wenn auch nur ein Mensch aufwacht und sich denkt, wow – ich bin anders, wie schön! würde mich das unglaublich freuen und ich hoffe sehr, dass dieser Post ein paar Menschen den Funken Mut und den Denkanstoss gegeben hat, den sie gebraucht haben.
Photos by Basti Hart



10 Antworten zu “Kolumne: Coming Out in Deutschland – zwischen Homophobie und Gleichgültigkeit.”

  1. Stelios sagt:

    Super Post! Wundervolle Worte! toll geschrieben von jedem! LG

  2. Susanne sagt:

    Diese ganzen Geschichten sind sehr interessant und bewegend ich sage gib Homophobie keine Chance.

  3. Helena sagt:

    Mich haben die Geschichten vorallem von Laura, Lara und Hassan sehr mitgenommen. Ich denke dass es sehr wichtig ist Personen in deinem Umfeld zu haben die dir zuhören und dich verstehen. Ich glaube dass man so einfach mehr man selbst sein kann, weil diesen Personen ist es egal „was du bist“! Sie lieben dich einfach…

  4. xxXX sagt:

    Sehr inspirierend,
    Vielen Dank dafür!

  5. Michelle sagt:

    Jedes Mal, wenn ich sowas lese, denke ich nur eins: TRAGISCH!
    Ich weiß nicht woher das bei mir kommt aber für mich war das nie ein Thema. Wie Lara schrieb, wenn es doch normal ist, warum gibt es dann einen Begriff wie coming out? Für mich ist Liebe Liebe und ich kann einfach nicht verstehen, wie manche Menschen das anders sehen können.

  6. Sam sagt:

    Die Storys sind wirklich sehr interessant und echt lesenswert! Gut das du düse Aktion gestartet hast!

    Ich selbst hatte Gott sei dank bis auf kl Ausnahmen sehr viel Glück!
    Dennoch interessiert es mich sehr was andere erleben !!! Danke dafür !!!

    Ich denke das dieser bloggpost sicher einigen noch mehr Mut gibt!!!

    Mir hätte er super geholfen damals !!!

    Super 👍🏻

  7. Fred sagt:

    am 28 April 2017 feiern wir 40 Jahre Liebe,
    seit 1977 sind wir ein Maenner Paar ,seit 2014 haben wir ein Kind angenommen ,nun 3 Jahre jung,
    Was fuer uns beide klar ist, dass die sogenannten „Religionen“ und die daraus resultierenden Kulturen..das eigendliche Uebel sind…

    Alle arbeiten mit „Gehirnwaesche“ vom Saeuglingsalter an …es ist ein Fluch der nicht „Liebe und Mitgefuehl“ erzeugt ,sondern Forderung nach Anpassung,Unterwerfung und Selbstverleugnung…

    Bei dem lesen der obigen Beitraege ,bekommen wir Traenen in die Augen…so viel selbst durchlebtes steht da …

    Leider wird die Zukunft weitern Kampf um gleiche Rechte erfordern…

    Die Zahl derer welche mit Tora,Bibel oder Koran versuchen unser aller Leben zu „bestimmen“ werden nicht verschwinden ..Leider

  8. Andy sagt:

    Super Beitrag!!! Immer weiter so! Bin ein großer Fan von dir und finde dich sehr inspirierend!! 💪🏼😘
    Kannst du mir bitte sagen von wo die Jacke ist? 😁😁

  9. Joanna sagt:

    Wunderbarer Blogpost. Wirklich. Ich find es toll, dass du auch anderen Leuten mal eine Stimme zu dem Thema gibst. Weiter so! Ich lese deine politischen Statements immer wirklich gerne!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.