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Kolumne: Die nächste Runde im Kampf ums Man-Selbst-Sein.

Wird man berühmt bedeutet das vor allem auf Knopfdruck abliefern zu können, nicht nur vor der Kamera oder auf einem Event, sondern in jeder Situation – auf Knopfdruck man selbst zu sein und damit man ja auch nicht vergisst wer man selbst ist hat man 150 Leute um einen herum, die einem sagen wer dieses Selbst ist.
Als ich 16 Jahre alt war und mein größter Traum es war Schauspieler zu werden, sagte mein Schauspiellehrer zu mir, dass ich Talent hätte, aber die interessanteste Rolle, die ich jemals spielen würde, ich selbst wäre. Das hat mich dazu verleitet mehr an mir zu arbeiten, als an meinen Fähigkeiten jemand anders zu sein.
Ich wollte dieses Leben, diesen Status immer nur aus einem Grund – ich wollte ich selbst sein. Ein Star zu sein, bedeutete für mich vor allem in eine Welt einzutreten, die mich für die Eigenschaften schätzen würde, für die ich vom Rest der Gesellschaft kritisiert werde und das wollte ich einfach nicht mehr. Ich wollte ein Leben, in dem ich sein kann – kompromisslos ich. Wenn Lady Gaga mit Netzstrumphose Und Muschel Bikini am Flughafen sein kann, dann gibt es doch für mich auch eine Chance, dass das die Welt ist, die es mir erlaubt zu sein, wer ich bin, oder?
Jeder der – nein, eigentlich wirklich jeder müsste wissen was für eine große Herausforderung es heutzutage ist seinen eigenen Weg zu gehen, sich nicht beirren zu lassen von den all den Einflüssen – real und virtuell. Ich hatte immer einen Traum, der mich daran erinnerte wer ich bin und wer ich sein möchte und dem ich es zu verdanken habe, dass ich rausfinden konnte wer ich wirklich bin.
Doch wer ist dieses wahre ich? Nun ist es doch so, dass man mit seinen Eltern anders redet, als mit seinen Freunden. Mit seinem Boss oder seinen Lehrern auch anders, als mit seiner besten Freundin. Spielt man deswegen immer eine Rolle? Ich glaube nicht.
Ich ertappe mich dabei, wie ich feststellen darf, dass ich mich im Fernsehen betrachte und mich selber sehe, der Schnitt aber dafür gesorgt hat, dass die Antwort die mich zu mir macht, nur noch halb da ist. Bin ich also auch nur halb da? Bin das nur zur Hälfte ich? Wie viel ich bin ich das noch? Und vor allem: Muss ich das akzeptieren?
Das selbe zählt für Social Media. Spricht man über ernste Themen, wird einem vorgeworfen die Leute würden lieber lustige Storys sehen. Macht man Unsinn, kriegt man nur zu lesen „oh man, du bist so oberflächlich. Kannst du mal deine Stimme für was sinnvolles einsetzten“.
Es ist als wäre es mein Job von jeder Seite kritisiert zu werden und erst als ich diese Worte geschrieben vor mir sehe, begreife ich, dass ich vielleicht einfach mal das tun muss, was ich die ganze Zeit prädige – es mir selber recht machen. Auch wenn man als in der Öffentlichkeit stehende Person zu einem Thema erklärt wird, über das es total normal ist Urteile zu fällen, heißt es nicht dass es meine Aufgabe ist allen Menschen zu gefallen. Völlig egal ob in der Öffentlichkeit stehend oder nicht, ist das nämlich eine Aufgabe an der jeder von uns kläglich scheiternd wird, ungeachtet davon wie sehr man sich anstrengt.
Jemand zu sein, der man wirklich ist bedeutet für mich auch mehr als eine Facette zu haben. Bedeutet für mich über ernste, genau wie über lustige Dinge zu sprechen oder manchmal gar nicht zu sprechen, sondern ein albernes Fallvideo dafür stehen zu lassen, dass man sich selber mag – auch mit Fehlern, etwas das ich in der perfekt gefilterten Welt, in der wir heute leben stark vermisse.
Das Internet schenkte uns viel Freiheit – jetzt müssen wir versuchen, dass wir uns diese nicht kaputt machen, weil wir alles und jeden kritisieren und vor allem verurteilen. Wollen wir wirklich wir selbst sein müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden jedermann zu gefallen. Auch müssen wir aufhören zu glauben, dass dadurch alles leichter wird – das tut es nämlich nicht, vieles wird schwieriger, vieles wird komplizierter, aber ich glaube fest daran, dass es sich am Ende lohnt, weil das der einzige Weg ist um sein persönliches Glück zu finden und je eher wir das verstehen, desto egaler wird uns was andere Menschen denken.
Sich selbst zu mögen und ein Mensch zu werden, der man gerne ist, sollte unser aller Traum sein, denn so sind wir die beste Version von uns selbst und so kitschig sich das anhören mag – so können wir alles erreichen, was wir wollen.
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Photos by Jack Strify



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