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Kolumne:Von dem (un)Wort Influencer und dem wahren Einfluss.

Gäbe es ein Wort, das derzeit mein Leben dominiert, wie kein zweites, wäre es das Wort Influencer. Was sich auf den ersten Blick liest, wie eine Krankheit, ist ein Bezeichnung für Menschen, die auf Instagram viele Follower haben, ihr Geld über Social Media verdienen – mit gesponserten Posts, Kooperationen oder klassischer Werbung.
Neulich hat die Prosieben Sendung Galileo einen Beitrag über den tatsächlichen Einfluss solcher Influencer gedreht und mich dafür meinen grössten Fan treffen lassen – Jendrik. Das schönste an diesem Treffen – vor dem ich mindestens genauso nervös war, wie Jendrik selbst, war die Tatsache, dass damit nicht nur sein Traum in Erfüllung gegangen ist, sondern genauso meiner.
Ich wollte immer jemand sein, der Menschen inspiriert – über den Display hinaus – und nicht beeinflusst, der für sie strahlt – wie ein Star eben – sie unterhält und das tut, wofür es Sterne gibt – Menschen den Weg weisen. Und wenn ich Fans von mir treffe oder die Nachrichten lese, die ich tagtäglich geschickt bekomme, dann wird mein Traum jedes einzelne Mal war.
In dem Beitrag erklärte ein Psychologe auch wie gefährlich der Einfluss von Influencern wäre, weil alles, was sie je tun würden, einzig und allein die Kaufkraft der Menschen, die ihnen folgen, zu steuern. Eine Frau erklärte, dass ihre Vorbilder als sie jung waren noch etwas konnten und echte Stars waren und täglich neu erscheinende Artikel versuchen das, was Menschen, wie ich im Internet tun über einen Kamm zu scheren. Und umso mehr ich diese Erklärungsversuche und diese Verallgemeinerungen lese, umso weniger kann ich mich mit diesem Wort anfreunden, geschweige denn identifizieren. Natürlich stimmt das alles – meine Social Media Aktivitäten dominieren meinen ganzen Tag und wenn man das so platt liest, dann mag es auch stimmen, dass man nur oberflächlichen Einfluss auf Menschen hat. Wenn ich mir aber meine Kommentare unter den Bildern angucke und lese, dass man Menschen inspiriert, dass man sie darin bestärkt sie selbst zu sein oder auch, dass man sie einfach nur täglich zum Lachen bringt – dann fühle ich mich nicht als Influencer – ich fühle mich als mehr.Für mich ist das ein Wort, das von Menschen erfunden wurde, um allen Persönlichkeiten, die im Netz versuchen sich etwas aufzubauen, ein und das selbe Etikett aufzudrucken, damit es für Menschen, die nichts damit zu tun haben, einfacher zu verstehen ist. Ob man sich als Individuum aber zu den abertausenden Selfie-Girls, die neben einem in diesem Artikel genannt werden und wirklich nichts anderes tun, als über Product Placement ein tollen Lebensstil aufzubauen (was ich komplett ohne Wertung schreibe, falls das falsch rüberkommt) aber zählen möchte, ist dabei völlig egal. Ich schreibe Texte über Homophobie, Mobbing, Gesellschaftskritik – natürlich auch über Mode, aber immer mit einem selbstbestimmten Hintergrund und plötzlich soll ich mich in der selben Schublade wiederfinden, wie jemand dessen Blog aus Bikini Bildern besteht? Ich will gar nicht kritisieren, was irgendjemand anderes tut – aber ich fühle mich fast schon gezwungen zu zeigen, dass ich doch viel mehr mache, als nur das.Ich bin dem Internet sehr dankbar und weiss genau, dass mein Leben vielleicht nicht so schnell auf den Pfad gekommen wäre, auf dem ich mich heute bewege, wenn es kein Social Media gäbe – das alles machte mich von einem gemobbten Teenager zu jemandem, der plötzlich als Vorbild gesehen wird und das ist etwas, das ich wirklich zu schätzen weiss. Als ich anfing meine Social Media Kanäle zu füllen und diesen Blog hier zu schreiben, tat ich das komplett ohne Bezahlung. Jedes Bild, das ich bearbeite, jede Erfahrung, die ich hier teilte und jeden Text, den ich schrieb, schrieb ich um Menschen zu zeigen, wie sich das Leben für einen unkonventionellen Träumer heute anfühlt – es war nie mein Ziel Deutschlands erfolgreichster männlicher Blogger zu werden, ich wollte einfach nur etwas haben, auf dem ich mich nicht, wie ein Freak fühlen musste – das ganze war für mich einfach nur ein Instrument um über meine Träume zu sprechen und ihnen dadurch hoffentlich näher zu kommen. Ich wollte Schauspieler sein, Model, Kolumnist und Fernsehmoderator und dachte es wäre eine gute Sache meine Erfahrungen im Internet öffentlich zu machen und als sich daraus eine tatsächliche Karriere entwickelte, empfand ich es genauso als meine Pflicht über meine tollen Erfahrungen zu sprechen, nicht nur über die Niederlagen – um Menschen daran zu erinnern, wie schön das Leben sein kann, wenn man es nach seinen eigenen Regeln lebt.
Heute ist das definitiv zu meinem Beruf geworden – mich selber aber auf den Begriff Influencer zu reduzieren, würde ich trotzdem nicht, weil ich den Menschen, die mir folgen neben Trends und Konsum News vor allem Werte vermitteln möchte, an die ich mich selber klammere. Ich kann mich mit dem Wort Influencer kaum identifizieren – vor allem nicht, wenn ich mir meinen Kalendar angucke. Moderation – Schauspiel – Modeln – Schreiben – das sind alles Inhalte, die darin eine wesentliche Rolle spielen. Klar ist das darüber Berichten auf Social Media genauso ein Teil des Jobs, wie das eigentliche Shooting oder der Dreh selber, aber eigentlich sind das nach wie vor, die Berufe, von denen ich anfangs immer gesprochen habe und die es im übrigen auch schon lange vor dem Internet gab.
Wir wachsen in eine Generation hinein, in der schon Teenager unglaublich viel Reichweite aufbauen können – einzig und allein damit, dass sie cool sind und das ist toll, weil man viel mehr Menschen die Chance gibt ihr Ding durchzuziehen – mein Ding genauso, aber der Unterschied dazu ist vielleicht, dass in fünf Jahren neben meinem Namen nicht nur Influencer oder Blogger stehen soll. Ich möchte jemand sein, der immer noch Teil dieser Welt sein würde, wenn es von heute auf morgen kein Internet mehr geben würde. Menschen, die gar nichts mit diesem Job zu tun haben, kaufen sich Follower, weil sie das Gefühl haben sonst nichts wert zu sein – es gibt Like for Like Gruppen, weil viele sonst einen Nervenzusammenbruch bekommen, wenn ihr Bild nicht die gewünschte Anzahl an Likes hat – sein Leben nur durch einen Snapchat Filter zu sehen, macht Menschen traurig – das alles und so viel mehr, wird irgendwann dazu führen, dass es nicht mehr nur auf die Reichweite ankommt, sondern auf die Inhalte, die man mit Menschen teilt und das ist dann der eigentliche Einfluss, den man hat. Ich fühle mich unglaublich privilegiert, dass ich als komischer Vogel oder auch als Blogger, der viel mehr mit Texten, als mit reinen hübschen Fotos arbeitet, trotzdem so viel von der Welt erleben darf, die ich so liebe und ich bin jeden Tag dankbar für die Menschen, die mir diese Plattform darin geben und meinen Weg verfolgen, auch wenn er so unkonventionell ist – genauso versuche ich aber auch nach wie vor das zu sein, was ich schon immer sein wollte und das ist ein Mensch, der Menschen auch über den Bildschirm hinaus berührt und einen Weg zu gehen, den vor einem noch niemand so gegangen ist, wird wohl auch weiterhin schwierig bleiben und wenn das zur Folge hat, dass man eben ’nur‘ als Influencer gesehen wird und mit all den anderen Instagram Profilen über einen Haufen geschert wird, dann ist das auch ein Preis, der es wert ist gezahlt zu werden, weil da draussen immer Menschen, wie Jendrik sein werden, die einen zu viel mehr machen, als nur ein gut gefiltertes Social Media Profil.

Hat – Vintage

Shirt – H&M
Boots – YSL
Necklace – Vivienne Westwood

Polaroids shot by Felix Krueger 



2 Antworten zu “Kolumne:Von dem (un)Wort Influencer und dem wahren Einfluss.”

  1. Nathalie sagt:

    Riccardo,
    Du bist wirklich alles andere als ein oberflächlicher Blogger! Ich glaube jeder, der dir folgt weiß das. Ich folge dir vor allem, weil du immer wieder gute Laune verbreitest und zeigst, dass man zu sich selber stehen muss.
    Toller Post, weiterhin noch viel Erfolg ♥

  2. Du bist so ne insperation! Ich bin so froh dich entdeckt zu haben du bist so ne geile socke! Mach weiter so und ich verschlinge deine Kolumnen ständig! Ein Oberflächlicher Blogger bist du gar nicht!!!! Ich finde es geil dass es Menschen wie dich gibt die einfach ihr leben so leben wie sie wollen, und auch wenn man manchmal über seinen eigenen schatten springen muss, es einem egal sein soll was andere über einen denken! You rock *.* <3 <3 <3
    LG
    Y.
    http://www.yayavanchique.com

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