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Kolumne: Träume werden wahr.

Als ich neulich Katy Perry nicht nur einmal, sondern gleich zwei Mal treffen durfte und mit ihr ein Gespräch über das am 9. Juni (heute!) erscheinende Album „Witness“ führen durfte, war das ein überwältigendes Gefühl. Es war buchstäblich ein Traum, der wahr wurde und ein Moment, den ich mir seit ich in der 8.Klasse vor 8 Jahren das erste mal I kissed a Girl hörte, vorgestellt hatte. Die Realität war allerdings viel besser, als jedes imaginäre Treffen, das ich mit ihr hatte und nicht nur weil sie alles und viel mehr ist, was man sich von Katy Perry wünscht, sondern weil es eine Erinnerung war.
Es war eine Erinnerung daran, dass wirklich kein Traum zu groß ist oder unerreichbar.
Es war eine Erinnerung daran, dass all die bedeutungsschwangeren Worte, die einem vermitteln sollen alles wäre möglich, wenn man nur daran glaubt und all die Hoffnung, die man in seine Träume und wünsche steckt, tatsächlich etwas bedeuten. Wenn man etwas wirklich möchte, also wirklich, wirklich schaffen möchte und darin vertraut, dass das Universum einen dorthin führt, dann wird es klappen. Selbst wenn alle Menschen einem das Gegenteil prophezeien werden.
Ich denke zurück an den Jungen, der ich in der 8. Klasse war. Britney Spears Circus war gerade Titelsong, der aktuellen Germany’s next Topmodel Staffel. Ich hatte Spanisch als zweite Fremdsprache belegt, ging in Berchtesgaden zur Schule, wo Kühe vor meinem Klassenzimmer standen und mein IPod wechselte kontinuierlich seine Wiedergabeliste von Lady Gaga’s THE FAME und Katy Perry’s ONE OF THE BOYS. In meinem Zimmer hing ein Bild von Lindsay Lohan, nackt fotografiert von Hedi Slimane mit einem Armreif, von dem ich jeden Tag träumte und den ich später als Cartier Love Bracelet kennenlernen würde. Meine Freizeit verbrachte ich damit zum Schauspielunterricht zu gehen und beim Radio zu arbeiten. Ich träumte davon ein Star zu sein und lebte jeden einzelnen Tag so, als würde mir das bevorstehen. Ich fühlte mich immer wie einer von den Leuten, die als Poster in meinem Zimmer oder als Dekoration auf meinem Schulordner klebten, den ich wegzuwerfen, bis heute nicht übers Herz bringe, und ich bereitete mich vor eines Tages meinen Platz in ihrer Welt einzunehmen. Natürlich wusste ich, dass ich mir das hart erarbeiten müsste und so versuchte ich jeden Tag etwas zu tun um mich auf mein zukünftiges Leben vorzubereiten und sei es nur mein lächerliches Catwalk Training, das ich jeden Tag in meinem Zimmer zum GNTM Soundtrack absolvierte. Ich wollte das wirklich und ich glaubte an mich, wenn ich auch noch der einzige war, der das tat. Ich wollte unbedingt weiterkommen und besser werden, meine Träume zu Plänen wandeln und eine Zukunft gestalten, auf die ich mich freuen konnte, aber jeder, den ich um Rat fragte, sagte mir nur immer die selben Sachen.

„Mach erst mal dein Abitur, danach kannst du immer noch weiterschauen“

„Da gehört einfach ganz viel Glück dazu und Glück kann man nicht beeinflussen“

„Geh doch mal zur Studienberatung“

Aber selbst da wurde mir nicht klar, wie ich meinen Träume näher kommen würde. Ich lernte nur mehr und mehr was ich nicht wollte.
Irgendwann verstand ich, dass ich gar nicht erwarten konnte, Antwort auf meine Fragen zu bekommen, weil keiner von den Menschen, die ich fragte, weder meine Lehrer, noch meine Eltern ein Leben führten, wie das, das ich vor meinem inneren Auge deutlich sah. Also hörte ich auf zu fragen und probierte aus. Irgendwann würde ich schon auf den Weg kommen, der mich ans Ziel bringen würde, weil ich darauf vertraute, dass alles einen Grund hatte und alles gut werden würde. Wichtig war mir dabei Sachen wirklich zu tun und nicht nur darüber nachdenken sie zu tun, ansonsten hätte ich auch nicht erwarten können, dass sich irgendwas ändert.
Viele Menschen wissen nicht wie sie rausfinden wer sie sind und was sie mögen, weil sie andere Menschen danach fragen. Dabei liegt die Antwort in jedem von uns. Wir können sie uns nicht einfach von jemand anderen abholen und oft sagen, die Fragen, die wir stellen mehr darüber aus, wer wir sind, als die Antwort, die wir darauf zu bekommen hoffen. Manchmal hilft es auch sie aufzuschreiben und sie tatsächlich vor sich zu sehen. Die Antwort liegt in uns. Um Selbstbewusstsein zu bekommen, muss man sich seiner selbst bewusst sein. Man muss sich selber fragen, was einen glücklich macht und darauf hören, was einem Freude bereitet. Oft fragen Menschen mich, wie sie wissen sollen, wer sie sind und ich empfehle ihnen immer den Weg, mit dem ich es selber rausgefunden habe.

Erinnere dich daran, was dich glücklich macht und umso öfter du dich glücklich fühlst, umso süchtiger wirst du nach dem Gefühl und du willst es keinen Tag mehr missen.

Umso öfter du die Musik hörst, die dir dieses bestimmte Bild im Kopf erscheinen lässt  und umso öfter du den Film guckst, der dich von deinem idealen Leben träumen lässt, umso mehr bekommst du eine Vorstellung davon, wer du wirklich bist. Wichtig ist, dass man dabei bei sich bleibt und versteht, dass man nicht da ist um das Leben zu leben, das andere für einen im Sinn haben. Selbstbewusst zu bleiben ist Arbeit, harte Arbeit, weil das bedeutet, dass man sich jeden Tag aufs Neue sagen muss: “Ich bin bereit für den Traum zu kämpfen. Ich bin bereit den schwierigeren Weg zu gehen. Ich mag mich mehr als die Meinung anderer. Selbst wenn das gar nicht so ist – manchmal muss man sich das laut vorsagen um es wirklich zu verinnerlichen. Jeden einzelnen Tag. Immer wieder…“
In der elften Klasse angekommen hatte ich viel ausprobiert, ein wirklich anderes Leben führte ich jedoch nicht, außer dass ich mich meiner melancholischen Seite hingeben konnte, weil es eine neue Künstlerin in meinem Leben gab, die auf den wohl klingenden Namen Lana Del Rey hörte. Die Theaterstücke, die ich spielte, liefen langsam aus und mein Abitur stand bevor. Ich musste meine Radiosendung einstellen um mich auf die Prüfungen vorzubereiten und verbrachte meine Wochenenden damit mich von Hobbyfotografen in meinem Freundeskreis fotografieren zu lassen. Die Bilder bearbeitete ich mit einer neuen Bildbearbeitungs App namens Instagram. Das nahmen die Stars nämlich auch immer. Dass es sich dabei um ein soziales Netzwerk handelte, wusste ich gar nicht. Ich hatte so viele Gedanken, aber ohne Radiosendung hatte ich kein Ventil um sie mit den Menschen zu teilen und so überlegte ich was ich machen könnte um nicht zu stagnieren und trotzdem noch jeden Tag etwas für meine Träume tun zu können. Ich startete diesen Blog, was damals kein gängiges Hobby war, vor allem nicht in der kleinen Stadt, die ich mein Zuhause nannte und ich erklärte mich damit selber zu einem Superstar. Apropos Superstar – ich durfte endlich mein erstes Konzert besuchen – Katy Perry, die mittlerweile damit beschäftigt war Teenage Dream eine neue Bedeutung zu geben. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mich fühlte. Es war mein erstes richtiges Konzert und ich war plötzlich nicht mehr der komische Junge aus Bad Reichenhall, ich war umgeben von haufenweise komischen Leuten, die alle nett zu einander waren. Und Katy im Scheinwerferlicht zu sehen, wie sie Pailletten trug und über ihre Träume sang, verdeutlichte mir nur noch mehr, was ich wollte. Als der Moment gekommen war und sie Leute aus dem Publikum zog, sah ich dass sie den Jungen nahm, der genau an meiner Stelle stand. Die Stelle, die ich zurückließ um früher zum Ausgang zu gehen, weil meine Freunde nach Ende des Konzerts schnell zum Auto kommen wollten. Als ich das sah, schwor ich mir dass das irgendeinen Grund haben würde und sei es nur die Erkenntnis, dass ich meine Entscheidungen in Zukunft lieber selbst treffen werde. Ich werde Katy Perry treffen, irgendwann und es wird viel mehr bedeuten, als der Moment, den dieser jemals hätte für mich sein können, weil es ein Moment sein wird, der nicht nur mich inspiriert, sondern noch viel mehr Menschen.
Heute fünf Jahre später, treffe ich Katy Perry um ein Snapchat Interview mit ihr zu führen. Wir tragen beide Pailletten. An meinem Handgelenk glitzert ein goldener Cartier Love Armreif, der selbe den Lindsay Lohan auch trug (die übrigens immer noch an der selben Stelle in meinem Kinderzimmer hängt) und schreibe diesen Text für meine Fans, die genauso orientierungslos sind, wie ich es war, als ich Teenage Dream gehört habe.
Trotzdem ist man noch lange nicht am Ziel. Ich weiß nicht wer mehr Neins in seinem Leben zu spüren bekommen hat – Katy Perry oder ich, aber ich weiß dass ich mir auf jedes NEIN innerlich immer ein DOCH gesagt habe und das es sich letzten Endes immer gelohnt hat, selbst wenn es niemand gesehen hat, außer mir selbst. Hat man sich selbst als Fan, hat man schon gewonnen, weil das der einzige Kritiker ist, den es zu überzeugen gilt. Leider auch der härteste – aber ich bin bereit mir selber immer wieder ein doch vorzusagen, wenn mir jemand ein nein vorsetzt und heute mehr, denn je, weil mich eine Frau namens Katy Perry einmal mehr daran erinnert hat, dass es sich lohnt an seinen Träumen festzuhalten. Und das sollten wir alle tun, egal ob wir hunderte von Menschen haben, die an einen glauben oder nur uns selbst.Katy Perry’s viertes Studioalbum “Witness“ erschein heute weltweit.

Photos with Katy by Philipp Gladsome (Instagram here)

Portraits of myself by Eileen Jordan (Instagram here)



3 Antworten zu “Kolumne: Träume werden wahr.”

  1. Maxine sagt:

    Wahnsinnig schöne, motivierende Worte und Respekt für deinen Mut ???

  2. Zoë sagt:

    Als ich gerade diesen Text gelesen habe sind mir Tränen gekommen. Der Text war so inspirierend und du hast recht. Ich gehe zur Zeit den „einfachen“ Weg mit dem meine Familie, Freund und Freunde alle einverstanden sind. Aber irgendetwas fehlt. Ich bin noch jung und weiß gar nicht was ich überhaupt vom Leben möchte aber wenn ich das Selbstbewusstsein und die Idee habe werde ich mir diese Kolumne nochmal durchlesen.

  3. Ricci du machst alles richtig. Ich bin so stolz auf dich. Ich glaube, dass es in dieser Branche viele nur schaffen, weil sie sich verstellen müssen. Du nicht. Du gibst mir immer das Gefühl, dass du dein Ding machst, auch wenn es nicht immer leicht ist. Bleib wie du bist 🙂

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