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Kolumne: Von einer Beziehung mit sich selbst – Part 2.

Vor etwa einem Jahr habe ich meinen Blog genutzt um darauf hinzuweisen, dass ich trotz permanenter Single Witze meinerseits, die Meinung vertrete, dass Single zu sein nicht zwangsläufig alleine sein bedeutet und man ja am Ende des Tages in einer Beziehung mit sich selbst lebt, selbst wenn man in einer Beziehung lebt – und dass es weitaus schlimmeres gibt, als Single zu sein, auch wenn die Gesellschaft, in der wir leben uns oft das Gegenteil vermitteln möchte. (um den Artikel zu lesen hier klicken)
Heute 12 Monate später, keine Beziehung reicher, denke ich erneut über dieses Thema nach. Ich habe im letzten Jahr viel über Beziehungen gelernt, natürlich aus der Ferne (dürfte sich ja eigentlich von selbst verstehen) und habe mich dabei immer wieder ertappt, wie ich mich selber in Frage stellte und nach einer Art Fehler suchte, der mich davon abhielt das Kapitel Liebe in meinem Leben zu öffnen. Und ja, danke ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mich für diese Aussage und den alleinigen Gedanken ohrfeigen sollte, aber wenn man 24 Jahre Single ist und die Worte “ich liebe dich“ 1000 Mal am Tag unter einem Instagram Foto liest, aber noch niemals einen Menschen im realen Leben dazu inspiriert hat, das für einen zu empfinden, fragt man sich schon manchmal ob denn alles in Ordnung mit einem sei, vor allem wenn scheinbar jeder in deinem Umfeld sich gefühlt täglich in eine neue Beziehung stürzt.
Nachdem ich, wie auch nicht anders zu erwarten, den Fehler an mir nicht finden konnte, konzentrierte ich mich also weiterhin auf des Bösen Wurzel, die diesen Gedanken in mir überhaupt hat aufkeimen lassen – die Beziehungen in meinem Umfeld.
Oberflächlich betrachtet gehen die Menschen permanent Liebesbeziehungen ein, aber wie echt ist eine Beziehung, wenn man bereits zu Beginn weiss, dass es ein Verfallsdatum hat? Ich spreche gerade nicht von der romantischen Art von Verfallsdatum, die beinhaltet, die gemeinsame Zeit, die einem verbleibt, auszukosten, sondern die Art von Verfallsdatum, die oberflächlich betrachtet einem zu teuren paar Designer Schuhe ähnelt. Man probiert sie an, weil die Vorstellung sie zu besitzen einem gefällt, aber man kauft sie nicht, weil einem der Einsatz dann doch zu viel ist.
Ich habe das Gefühl, dass in mindestens der Hälfte, wenn nicht sogar mehr, der Beziehungen, die uns umgeben die Partner sich gar nicht wirklich mögen – sie mögen die Vorstellung davon sich zu mögen und vor allem mögen sie die Vorstellung von sich in einer gut laufenden Beziehung. Stellen sie fest, dass dem nicht so ist, legt man das Paar Designerschuhe wieder zurück. Auf zum nächsten, vielleicht klappt es dann!
Und das macht man dann so lange, bis es mal passt oder zumindest bis das Paar Schuhe so weit im Preis gesunken ist, dass man zufrieden sein kann? Ist das etwa das Ding, wonach sich jeder sehnt?Mag sein, dass meine Hollywood geprägte Fantasie mir da oft im Weg stehen mag, aber selbst 12 Monate später – ohne Dates und ohne Beziehung – erwarte ich einfach mehr vom Leben und wenn ich nicht mehr haben kann, dann will ich das gar nicht erst probieren. Ich bin jemand, der der Meinung ist, dass man glücklich sein muss um sich zu verlieben und man darf seinem Partner nicht die Aufgabe geben einen glücklich zu machen. Das ist eine Sache, die man einzig und alleine selber schaffen kann – findet man jemanden, der das ganze noch toppt, der einem eine neue Form von Glücklich-Sein eröffnet und dabei selber auch noch glücklicher dabei wird, dann ist das das Gefühl nachdem ich suche, aber nur eine Beziehung einzugehen um nicht alleine zu sein, dafür mag ich mich selber viel zu sehr. Vielleicht ist auch das Grund, wieso ich immer wieder zu dem Gedanken zurückkehre, der mich erst in diese Situation gebracht hat.
Ich liebe es, wenn Menschen sich verlieben und zusammen kommen, aber ich will mich auch nicht mehr davon verunsichern lassen, wenn ich noch nie verliebt war. Ich bin 24 Jahre alt und auf meiner To-Do Liste stehen weitaus wichtigere Dinge, als unbedingt eine Beziehung zu führen, dennoch fühlt man sich manchmal eben doch unsicher in dieser Beziehung. Jedes mal, wenn man dieses Gefühl in sich aufkeimen spürt, sollte man sich selber daran erinnern, dass Beziehungen auch nicht das sind, was sie nach aussen scheinen und dass die einzige Beziehung, von der wir wirklich wissen, wie sie aussieht, die Beziehung zu uns selbst ist und an der sollten wir, nach, wie vor arbeiten und vielleicht bringt uns das an einen Ort, der uns bereit macht, für eine Beziehung, die es wert ist, den vollen Preis zu zahlen und bis es so weit ist, kaufe ich weiterhin nicht reduzierte Designerschuhe und fühle mich ein bisschen, wie Carrie Bradshaw während ich diesen Text schreibe.

Outfit: Urban Outfitters
Schuhe: Vans
Sonnenbrille: Acne

Photo: Nico Stank
Hair and Make-Up: Florian Gruber



6 Antworten zu “Kolumne: Von einer Beziehung mit sich selbst – Part 2.”

  1. Johanna sagt:

    DANKE DANKE DANKE für diesen Text und den von letztem Jahr.
    Hab mir gerade, inspiriert von deiner Snapchat-Story, beide durchgelesen und mich so sehr wiedergefunden.
    Bin 21, hatte noch nie eine Beziehung und frage mich auch immer wieder, was falsch mit mir ist. Vor allem wenn ich neue Leute kennenlerne, die natürlich alle schon Freund/Freundin hatten/haben.
    Aber du hast so recht – die wichtigste Beziehung ist die zu uns selbst. Das vergesse ich immer wieder.
    Also danke für die Erinnerung und danke dafür, dass ich mich jetzt nicht mehr so alleine fühle.

  2. Marie sagt:

    Ich finde deine Auffassung zum Thema Liebe und Beziehungen sehr bewundernswerd, du bist noch so jung und sprichst doch schon so weise über deine Erfahrungen und ich kann sie zu 100 Prozent nachvollziehen.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Glück in deiner Beziehung mit dir selbst, pflege sie gut und verwöhne dich selbst wie es kein anderer könnte! 🙂

  3. Anja sagt:

    Das finde ich einen wunderschönen Text, der viele Gedanken zu dem Thema auf den Punkt bringt.

  4. Caro sagt:

    Hi Riccardo,
    Eigentlich bin ich eher die stille Beobachterin und kommentiere in der der Regel keine Blog Posts oder Posts auf Instagram etc.
    Aber mit diesem Beitrag triffst du es wirklich auf den Punkt.
    Letzten Sommer habe ich mich nach 3 1/2 Jahren Beziehung von meinem Freund getrennt. Unter anderem wegen der von dir oben genannten Gründe. Nach außen haben wir immer das super glückliche und sorgenfreie Paar präsentiert. Meine Freunde haben schon Wetten abgeschlossen, wann der Antrag kommt… Doch sobald die Tür hinter uns zu war sah es ganz anders aus. Grundsatzdiskussionen und Meinungsverschiedenheiten haben unseren Alltag geprägt. Von einer glücklichen Beziehung meilenweit entfernt. Wem will man eigentlich was beweisen? „Schaut mal wo glücklich und perfekt wir sind“. Bullshit. Und ab diesem Zeitpunkt sind in meinem Freundeskreis 4 langjährige Beziehungen zu Ende gegangen. Alle aus dem selben Grund. Und jedes Mal dachte ich mir „krass.. und die sahen so happy aus..“ denkste. Rückblickend bin ich davon überzeugt, dass man sich oft in eine Beziehung stürzt, um sich selbst „zu retten“, sich besser zu fühlen. Aber die ganz große Liebe ist’s dann am Ende oft doch nicht. Wir verlangen uns selbst viel zu viel ab und wollen nach außen immer strahlen und das good life präsentieren. Aber wieviel geht’s wirklich richtig gut? Wieviele von ihnen lieben sich selbst bedingungslos? Wohl kaum einer.
    Ich bin da absolut einer Meinung mit dir. Man sollte mit sich selbst im reinen sein und sein Glück nicht von seinem potientiellen Partner abhängig machen.
    Ich finde deine Einstellung zum Leben und all seinen Tücken total bemerkenswert. Vielen Dank für den tollen Beitrag und deine immer ehrlichen Worte.
    Ich wünsche dir einen wundervollen Abend, liebe Grüße aus Frankfurt 🙋🏼‍♀️

  5. Lena sagt:

    Hallo Riccardo,
    mit fast 23 und auch keine wirkliche Beziehung, suche auch ich ständig die Fehler bei mir. Bin ich zu dick, zu hässlich, stimmt mit mir was nicht? Aber genau wie du, sehe ich es einfach nicht ein, mich umzustellen für irgendjemanden. Ich will nicht falsch sein, ich will einfach ich sein. Und bevor ich jemanden anderes lieben kann, muss ich erst lernen, mich selbst zu lieben.
    Danke für deine unglaublich liebe und offene Art, du bist so eine Inspiration und man sollte dir so viel mehr Aufmerksamkeit schenken, da du wirklich sehr wichtige Themen immer wieder ansprichst.
    Dicke Umarmung
    Lena

  6. Andrea sagt:

    Danke für diesen Post! I feel you!

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