logo

Kolumne: Von virtuellen Welten und Social Media Kritiken.

Ich bekam neulich bei einem Event die Möglichkeit in eine andere Welt abzutauchen. Durch das Aufsetzen einer Brille, verwandelte sich mein Umfeld in ein virtuelles Spieleparadies, das einen fast vergessen liess, wie die Realität ursprünglich mal aussah.
Wieder in der Realität angekommen und auf dem Weg nach Hause dachte ich über virtuelles Leben nach. Wir leben in einer Zeit, in der wir oft mehr Wert auf die Gestaltung unseres Online Profils legen, als an unserer eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Follower sind vielen wichtiger als echte Freunde und bei allem was man tut wägt man vorher ab ob es Instagram tauglich ist oder nicht. Stellte man sich früher die Frage was zuerst da war „Das Huhn oder das Ei“ so könnte man das heute zweifelsohne auf „Instagram oder das Leben“ beziehen. Instagramt man für ein tolles Leben oder lebt man nur noch für den Feed?
Ich bin jemand, der mit Social Media aufgewachsen ist und für den das Internet genauso real ist, wie offline zu sein und als ich anfing meine Kanäle öffentlich zu schalten, meinem Blog zu schreiben und mein Leben zu meinem Job wurde, sollte das dienen um auch im „echten“ Leben etwas zu werden. Dass daraus eine Virtuelle-Karriere geworden ist und der Zeitgeist nur wenige Jahre später komplett auf Instagram programmiert ist, hätte ich niemals gedacht.

Egal ob off- oder online – unser Leben wird dokumentiert – so macht man das heute und Menschen, wie ich haben mit Sicherheit dazu beigetragen, dass dem so ist. Was ich jedoch manchmal schon erschreckend finde, ist die aktuelle Radikalität, mit der man Social Media betreibt. Gefühlt jedes Unternehmen möchte jetzt unbedingt auf den Zug mitaufspringen und bucht sich Influencer, völlig egal ob die Reichweite funktioniert oder nicht. Jeder Nachwuchsblogger kauft sich Follower, nur damit die Zahl im Profil einigermaßen gut aussieht und selbst Privat Personen engagieren Social Media Experten um ihre privaten Accounts interessanter zu gestalten, was ich gar nicht verurteilen möchte, was mir jedoch zeigt, wie viel Druck auf Menschen ausgeübt wird. So unvorstellbar sich das anhören mag, so ist das gerade in meinem Freundeskreis passiert – eine erwachsene Frau, buchte eine ihr bis dato unbekannte Freundin von mir, die einen erfolgreichen Blog führt, nur um ihre privaten Facebook Status Meldungen zu posten. Wozu?

„Damit, die Leute denken sie könnte das. Damit sie lustig und beliebt wirkt und damit sie das tut, was doch gerade alle tun“.

Wenn sich also Menschen, die rein gar nichts mit Social Media zu tun haben dazu genötigt fühlen jemanden dafür zu bezahlen um eine Persönlichkeit im Internet zu haben, frage ich mich selber wo das alles hinführen soll?
Ich erinnere mich noch vor einem Jahr einen Blogpost geschrieben zu haben, in dem ich erklärte, dass Social Media für mich, wie ein Märchenort ist, an dem man sein kann, wer man sein möchte und an dem man unabhängig von anderen Menschen seine eigene ideale Welt zusammenbasteln kann, wenn ich mir jedoch angucke dass gerade Instagram immer mehr dazu benutzt wird um eine neue Art der Norm zu verbreiten, frage ich mich was genau schief gelaufen ist.
Ich liebe die Tatsache, dass man auf Instagram Menschen von ihrem Alltag ablenken kann und erinnere mich an die Worte von Paris Hilton, die einmal gesagt hat, es wäre die Aufgabe von Stars ein Fantasieleben zu führen für Menschen, denen dieses Privileg nicht zu Teil wird. Und ich liebe diese Worte, weil sie aussagen, dass sie auch etwas für andere tut. Was ich jedoch hasse ist die Tatsache, dass sich manche Menschen so sehr unter Druck gesetzt fühlen eine Online Präsenz aufzubauen (völlig irrelevant ob das für ihr Leben eine Rolle spielt) – sie haben einfach das Gefühl sonst nicht mithalten zu können. Das Ironische dabei ist, dass viele Menschen gar kein Ziel damit verfolgen. Weder Social Media Stars zu werden, noch einen Job draus zu machen oder eine Message zu vertreten. Es wird einfach gemacht, weil man das gerade eben so macht. Ein bisschen als wäre man wieder in der Schule und würde als uncool angesehen werden, weil man die falschen Schuhe trägt und das fand ich damals schon doof.
Social Media mag für die Generation über mir keine echte Welt sein, für die Generation, in der ich lebe, ist sie genau so echt, wie die Probleme, die damit zu tun haben und der Druck, der dadurch auf einen ausgeübt wird – auch wenn ich es liebe diese Welt mitzuprägen, sind oben genannte Punkte einfach nur weitere Erinnerungen daran, wieso ich ursprünglich mal mein Leben online gestellt habe, nämlich um unabhängig zu sein von der Meinung anderer und auch um jenseits des Handybildschirms ein tolles Leben zu haben, ein Star zu sein und vor allem jemand, der es schafft Menschen genauso in einem Raum abzuholen, wie er es sonst auch auf dem Display schafft. In fünf Jahren soll neben meinem Namen nicht das Wort Influencer oder Blogger abgedruckt sein und allen, die nicht so weit denken, würde ich nur mit auf den Weg geben wollen, dass Internet Trends kommen und gehen, Persönlichkeit aber für immer hält und die kann man nicht Facetunen, filtern oder einfach durch das Aufsetzen einer Brille verändern, also sollte man neben dem perfekten Instagram Feed, den wir alle wollen, nicht auch vergessen daran zu arbeiten, das ist es was uns am Ende nämlich zu mehr macht, als nur Teenagern, die alle die selben Schuhe wollen.

 

Brille – Gucci
Kimono, Shirt & Hose – H&M
Slipper – Gucci
Tasche . Michalsky

Photos by Christopher Fuhrmann



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.