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Von Identitätskrisen, all over Denim Outfits und neuen Erkenntnissen.

Die letzten zwei Monaten waren für mich nicht nur sehr ereignisreich, sondern auch eine wahre Herausforderung was das Koffer anpacken anging. Nachdem es erst mal durch halb Europa ging, sah ich mich insbesondere die drei vergangenen Wochen einer Frage gestellt: WAS SOLL ICH NUR ANZIEHEN?

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Vor etwa einem Monat ging es für einen Dreh und zwei Shootings nach Hamburg und dann für zwei Wochen nach Berlin, wo Ähnliches auf mich wartete. Ich bin jemand, dessen Koffer immer gleich voll ist – egal ob die Reise ein Wochenende dauert oder einen Monat, ich liebe es die Auswahl zu haben und auch wenn ich am Ende immer nur die Hälfte davon trage, kann ich beim Packen einfach nicht auf das fünfte paar Schuhe verzichten, ganz einfach weil ich morgens auch im Hotel gerne das Gefühl habe vor meinem Kleiderschrank zu stehen und mich nach meiner aktuellen Tagesform zu kleiden.
Letzteres ist jedoch eine Wunschvorstellung, die in der Realität nicht so ganz funktioniert. Ich sitze also vor meinem Koffer und packe – vier paar Jeans, drei paar Hosen, zwei Lederjacken, eine Hand voll Schmuck, drei Sonnenbrillen und 10 Oberteile – dazu dann noch drei paar Schuhe und eine Portion Enthusiasmus, die mich im Glauben lässt das würde mich zufrieden stellen.

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Die drei Wochen sind um und ich habe sie rückblickend gefühlt in einem Outfit verbracht – Denim – sowohl oben, als auch unten. Natürlich habe ich versucht das beste daraus zu machen, aber spätestens nachdem ich vergangenes Wochenende meine neue Wohnung in Berlin bezog und acht Müllsäcke voller Kleidung ausleerte, die ich zwei Monate nicht zu Gesicht bekommen hatte, war ich mir meiner Situation bewusst – ich litt an Outfitdepressionen!

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Ich bin mir an dieser Stelle nicht ganz sicher, ob es diesen Begriff überhaupt gibt, aber wer meinem Snapchat oder meinem Instagram aufmerksam gefolgt ist, wird verstehen, dass die Lage sehr ernst war. Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und letztendlich der Rückzug. Ich hatte keine Lust mehr auf gar nichts und auch wenn ich den Grund dafür eigentlich kannte, wollte ich es mir nicht eingestehen. Ich bin jemand, der Kleidung nicht nur trägt, sondern regelrecht braucht um sich selbst auszudrücken. Ich war mir auch schon immer bewusst, dass mir das Spass macht und ich das brauche, aber zu spüren, wie es mir geht, wenn mein Kleiderschrank am anderen Ende von Deutschland liegt und ich eine lange Zeit ohne ihn auskommen muss, das war viel härter als ich gedacht hätte. Es geht mir dabei nicht um die Menge oder Masse an Klamotten, sondern einfach darum zu wissen, dass man eine ganze Palette an Hilfsmitteln hat, welche die aktuelle Stimmung ausdrücken, man sie aber nicht benutzen darf. Ähnlich wie bei einem Künstler, der jede Farbe der Welt zur Verfügung hat, aber am Ende bloss gelb, rot und blau verwenden darf – natürlich wird das Bild trotzdem Ok, aber er wüsste, dass er es mit ein paar Farben mehr (die er sogar schon hat) viel besser hinbekommt. Ganz genau so (nicht übertrieben) habe ich mich jeden Tag in den vergangenen drei Wochen gefühlt. Mit einem Schrank, der queer über ganz Deutschland verteilt war, sah ich schon gar keinen Grund mehr mich überhaupt anzuziehen, es würde eh nicht so werden, wie ich es im Kopf hatte – also könnte ich auch gleich im Pyjama bleiben.
Hört sich verrückt an, aber genau das tat ich dann auch. Nicht selten ging ich einfach im Schlafanzug in den Supermarkt und lediglich für einen Termin streifte ich mir dann schnell etwas über, das in unmittelbarer Reichweite lag.11650474_1007744159258594_861368579_nDas schlimmste dabei war jedoch, dass ich mir gar nicht bewusst war, wieso ich mich so fühlte. Erst als ich neulich meine Umzugskartons bekam und darin meine Lieblingslederjacke fand und das Parfum, nach dem ich eigentlich jeden Tag rieche und das ich seit zwei Monaten nicht mehr benutzt hatte, aufsprühte, fing ich langsam wieder an, der zu werden, der ich bin und das war der Moment, in dem ich begriff, dass ich viel abhängiger von Kleidung bin, als ich dachte. Ich spreche hier nicht von Materialismus oder Shoppingsucht, sondern wirklich von der Reflexion meiner Persönlichkeit, die ich durch meine täglichen Outfits, unterstreichen kann.
(aus der Kategorie ‚melodramatische Worte in viel zu langen Blogeinträgen)
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Ich weiss, dass sich das alles ziemlich übertrieben und theatralisch anhören mag, aber sogar mein Aussehen hat sich verändert. Auch wenn es nur eine verhätnismässig kurze Zeit war, habe ich mich schon irgendwie gehen lassen. Habe aufgehört mich zu rasieren, meine Haare zu machen oder darauf zu achten, was ich essen würde. Kaum habe ich wieder Zugang zu meinen Klamotten, fühle ich mich wieder inspiriert Dinge zu tun, die ich seit Wochen vor mir hinschiebe, das Haus zu verlassen und vor allem einen Blick in den Spiegel zu werden, weil ich mir mein Spiegelbild auch wieder ähnlich sieht.

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Wenn ich auch zunächst ein bisschen geschockt war, dass etwas scheinbar so Banales, wie Kleidung, doch so einen Einfluss auf meine Stimmung hat, fühle ich mich am Ende dennoch dankbar.
Dankbar, weil ich etwas habe, das mich glücklich macht und mir dabei hilft wieder glücklich zu werden, wenn ich es nicht bin. Etwas, das mir die Möglichkeit gibt mich ausdrücken, auszuleben und auch zu kontrollieren und etwas, das mich zu dem Menschen macht, der ich sein will. Mir egal, ob andere das oberflächlich oder kindisch nennen mögen, es gehört zu mir und macht mir jeden Tag gute Laune und das ist etwas, das mir glücklicherweise wichtiger ist, als die Meinung anderer Menschen.



2 Antworten zu “Von Identitätskrisen, all over Denim Outfits und neuen Erkenntnissen.”

  1. MelB sagt:

    Ich finde es absolut nicht oberflächlich oder deine Darstellung der Dinge theatralisch – ich denke jeder Mensch braucht gewisse Dinge, die ihn glücklich machen und an denen er hängt. Beim einen ist das vielleicht der Sport, beim nächsten ein anderes Hobby und bei dir eben deine Kleidung. Ich kann deine Gedanken dazu gut nachvollziehen, da ich selber immer mehr damit anfange, mich mit Kleidung auszuleben und mich mit meinem Stil abzuheben (auch wenn das noch nicht zu 100% klappen möchte – Danke an die immer wieder aufkeimende Unsicherheit und die ’sozialen Normen‘).
    Ich freue mich, dass du wieder zu dir selbst gefunden hast und wünsche dir besonders für deine neue Wohnung alles Gute!

  2. Ich finds voll gut, dass du immer wieder klar stellst, dass es dabei nicht um die Masse, nicht um das materialistische geht, sondern um dein Ausdrucksbedürfnis! Super Text und kann ich komplett nachvollziehen, bei mir ist es ein bisschen bei den Haaren so, wenn meine Haare ne Farbe haben die mich ankotzt oder mir mein Schnitt nicht gefällt, schmink ich mich seltener, hab kein bock auf meine Klamotten etc etc. Eigentlich genau wie bei dir, nur von einer anderen Seite, haha.

    Bin froh, dass du back im Schrankleben bist und freu mich auf deine Outfits!
    xx

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